Weihnachtliche Vorfreude bei Nord 3

Montag, 2. Dezember 2019

Von Marco Schwinning

Mit einem umkämpften, aber verdienten Sieg gegen Buer-Hassel 2 verabschiedete sich die 3. Mannschaft von Sterkrade-Nord als Kreisliga-Spitzenreiter frühzeitig in die Weihnachtsferien. Großen Anteil am Erfolg hatten wieder einmal unsere jugendlichen Spitzenspieler, die beim 5:3-Erfolg in Gelsenkirchen drei entscheidende Punkte beisteuerten.

Auch diesmal legte Swantje Minneken an Brett 6 mit dem ersten Sieg vor. Geschickt lenkte sie die Partie mit den schwarzen Steinen in eine ihr vertraute Stellung und baute taktischen Druck am Damenflügel auf, der sich blitzschnell in einem doppelten Figurengewinn entlud. Ihr Gegner staunte nur kurz über den Scherbenhaufen, in dem er sich wiederfand, und gab nach 45 Minuten Spielzeit auf.

An Brett 8 demonstrierte Joris Minneken, der aus der 4. Mannschaft entliehen worden war, dass Ersatz keine Schwächung darstellen muss. Die erste taktische Verwicklung nutzte er in Verbindung mit der gegnerischen Fehlreaktion zu einem schönen Figurengewinn. Danach spielte er seinen Vorteil souverän zu einem ungefährdeten Sieg aus, mit dem er auf 2:0 erhöhte.

Annika Labuda hatte es an Brett 4 mit einem härteren Gegner zu tun und kam niemals wirklich in Vorteil. Schon früh wurden einige Figuren getauscht, das Brett leerte sich zusehends, sodass sich keine taktischen Möglichkeiten ergaben und man in einem extrem Remis-verdächtigen Turmendspiel landete. Daher war das Friedensangebot des Gegners keineswegs abwegig. Allerdings leitete der damit verbundene Turmtausch schnurstracks in ein für Annika gewonnenes Bauernendspiel über. Annika lehnte das Remis ab und nahm stattdessen das vorzeitige Weihnachtsgeschenk zur 3:0-Führung entgegen.

Das las sich auf dem Papier sehr komfortabel. Wenn man jedoch die noch laufenden Partien in Betracht zog, offenbarten sich doch einige Schwächen, und so sah es insgesamt eher nach einem 4:4 als nach einem klaren Sieg aus.

Hartmut Geisel an Brett 7 stolperte geradezu in die Eröffnung, ließ sich regelrecht überrumpeln und stand mit drei Bauern weniger praktisch schon auf Verlust. Irgendwie schaffte er es aber doch, sich in einer wirren Partie zurückzukämpfen und durch ein schönes Doppelschach mit Figurengewinn sogar in Vorteil zu kommen. An dieser Stelle einigte er sich mit seinem Gegner auf Remis – womit zumindest die Sterkrader Mannschaft zufrieden sein konnte.

Beim Stand von 3,5:0,5 rückte ein Mannschaftssieg in greifbare Nähe. An Brett 5 war jedoch nicht mit dem noch fehlenden Punkt zu rechnen. Gegen den erwartet starken Gegner spielte unser Senior Herbert Bobovnik gut mit und ging gegen die Skandinavische Verteidigung zunächst kein Risiko ein. Dann verlor Herbert den Faden und zugleich einen Bauern. Herberts Gegner nutzte die Gunst der Stunde, eroberte durch geschicktes Figurenspiel einen weiteren Bauern und konnte sich fortan auf die Unterstützung seines Freibauern am Königsflügel konzentrieren. Als dessen Umwandlung nicht mehr ohne schweren Materialverlust abzuwenden war, schmiss Herbert die Flinte ins Korn.

An Brett 1 zogen schon länger dunkle Wolken auf. Hier hatte es Mannschaftsführer Mark Schocke ebenfalls mit der Skandinavischen Verteidigung zu tun, die er zunächst mit Übersicht und Feingefühl im Zaum hielt. Im 29. Zug passierte dann das Malheur. In schöner Stellung und ohne jede Not warf Mark seinem Gegner einen unschuldigen Läufer zum Fraß vor – ein klassischer Anflug von Schachblindheit. Diese materielle Schwächung war trotz des beherzten Kampfes, der darauf folgte, nicht mehr zu kompensieren. Mark musste schließlich die Partie zum Zwischenstand von 3,5:2,5 aufgeben.

Die klare Führung schmolz dahin. Sorgen bereitete vor allem die Zeitanzeige am 3. Brett. Von Ulrich Broens sind wir es gewohnt, dass seine Uhr etwa doppelt so schnell zu laufen scheint, wie diejenige seines Gegners. In Verbindung mit dem gegnerischen Turm und Springer, die in Ulis Stellung eingedrungen waren, durfte man sich da durchaus Sorgen machen, ob die Ressourcen zur Verteidigung reichen würden. Aber Uli belehrte alle Skeptiker eines Besseren. Statt sich in die Defensive drängen zu lassen, forcierte er nun das Tempo mit einem gefährlichen Gegenangriff, der die versprengte Figurenaufstellung des Gegners als Schwäche entblößte und mit doppeltem Bauernverlust bestrafte. In einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern einigte man sich schließlich auf Remis, nachdem der Kampf zuvor an Brett 2 entschieden worden war.

Hier hatte Sharlena Brock in einer von Beginn an souverän geführten Partie ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern erreicht und ließ es sich nicht nehmen, dieses mit Geduld und Umsicht zum Sieg zu führen, der zugleich den Mannschaftserfolg bedeutete.

Mit 5:3 schaltete die 3. Mannschaft von Sterkrade-Nord einen ernsthaften Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg aus und geht als unangefochtener Tabellenführer und inoffizieller Herbstmeister in die Winterpause. Die Rückrunde der Kreisliga startet am 19. Januar mit einem Heimspiel gegen Bottrop. Hier dürfen wir davon ausgehen, dass die Bottroper sich nach dem 0:8 Heimdebakel am 1. Spieltag in stärkerer Verfassung präsentieren werden.