Ein halber Ehrenpunkt gegen den OSV

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch fuhren Reinhard, Michael, Mark und ich zum OSV, um in der 1. Runde des Viererpokals gegen die 1. Mannschaft unseres Lokalrivalen anzutreten. Eine wirkliche Chance, den mächtigen OSV zu bezwingen, rechneten wir uns zwar nicht aus, aber ein bisschen ärgen wollten wir als David den Goliath von der anderen Seite der Emscher schon.

Der OSV wollte sich keine Blöße geben und trat mit Vlastimil Hort, Marcel Becker, Dr. Claus Nissen und André Krüger an – fast wäre mir jetzt etwas herausgerutscht wie "mit Kanonen auf Spatzen schießen", aber ganz so schlimm kam es dann doch nicht.

Mark erwischte den schwächsten Start. Er spielte natürlich nicht schlecht gegen Dr. Nissen, ließ aber die gegnerischen Leichtfiguren mehr oder weniger unbehelligt Stellung beziehen. Der Druck wurde zu groß und resultierte in einem Doppelangriff mit Figurengewinn, von dem sich Marks Spiel nicht mehr erholte. Nach gut zwei Stunden musste er sich geschlagen geben. 

Bei Reinhard, der die Ehre hatte, gegen Großmeister Hort zu spielen, sah es gar nicht so übel aus. Er baute seine Stellung auf für ihn typische Weise sehr kompakt auf und harrte der Dinge, die da kommen würden. Hort wiederum hatte keine Eile, manövrierte fast schon beiläufig mit seinen Figuren – und gewann einen Bauern. Verbunden mit seinem Plus an Aktivität, führte er diesen minimalen Vorteil im Doppelturmendspiel nach drei Stunden zum Sieg. Gemäß der Berliner Wertung war der Mannschaftskampf nach den Niederlagen an den Brettern 1 und 3 für uns damit schon verloren.

Immerhin konnte ich ein wenig Ergebniskorrektur betreiben. In meiner Partie gegen André Krüger, die keineswegs remislich angelegt war, gelang es keinem von uns beiden, einen entscheidenden Vorteil zu erlangen. Mein größter Vorteil bestand wahrscheinlich darin, dass mein Gegener ausnahmsweise einmal mehr Zeit verbrauchte als ich, sodass ihm für 25 Züge noch vier Minuten blieben, wogegen ich noch über fast eine Stunde verfügte. Zu diesem Zeitpunkt erreichten wir ein recht unklares Endspiel und einigten uns friedlich auf ein Unentschieden.

Spektakulär ging es an Brett 2 zu. Michael und sein 400 DWZ-Punkte stärkerer Gegner Marcel Becker beharkten sich mit offenem Visier. Zunächst schien alles auf einen forcierten Königsangriff Beckers hinzudeuten, aber Michael verteidigte geschickt, drängte die weißen Figuren zurück, drohte seinerseits mit allem möglichen Unheil und erlag schließlich dem taktischen Geschick seines Gegenübers. Trotzdem eine tolle Partie, in der Michael seine ganze Klasse aufblitzen ließ – vor lauter Spannung habe ich fast mehr Zeit an diesem als an meinem eigenen Brett zugebracht.

Insgesamt also eine klare Sache, doch wir können insofern zufrieden sein, als wir uns nicht unter Wert verkauft haben. Damit hat das Kapitel Viererpokal, kaum dass es begann, für uns schon wieder ein jähes Ende genommen – dabei fing es gerade an, Spaß zu machen. Der 1. Mannschaft des OSV 1887 wünschen wir alles erdenklich Gute für den weiteren Turnierverlauf.

Foto (von rechts): Reinhard Gebauer, Mark Schocke, Michael Schmidt, Marco Schwinning – Dank an Frank Puskailler (SG Gladbeck), der im richtigen Moment den Auslöser drückte.