Bericht von der DEM 2020 in Willingen

Montag, 2. November 2020

Von Marco Schwinning

Die diesjährigen Einzelmeisterschaften der Deutschen Schachjugend standen angesichts der pandemischen Entwicklung im Zeichen strenger Hygienevorkehrungen. Reduzierte Turniergröße, Doppeltische zwischen den Spielern, Maskenpflicht am Brett, Zuschauerverbot im Spielsaal – ein schlüssiges Konzept sollte die Durchführbarkeit der Veranstaltung und natürlich die Sicherheit der Teilnehmer im Sauerland Stern Hotel in Willingen gewährleisten.

Sterkrade-Nord war erstmals mit zwei Teilnehmerinnen vertreten. Swantje Minneken trat im Turnier der U18w vom 19.-25. Oktober an. Ela Pröttel ging in der U12w an den Start, die vom 26. Oktober bis zum 1. November ausgetragen wurde.

Zwar reiste Swantje mit dem Titel der NRW-Landesmeisterin im Gepäck an, rangierte aber als mit Abstand Jüngste ihrer Altersklasse und zudem DWZ-Schwächste auf dem letzten Platz der Setzliste, und es war von vornherein klar, dass es ein sehr schweres Turnier für sie werden würde.

Swantje in WillingenNach einem Freilos in der 1. Runde stieg sie erst spät ins Turnier ein und kassierte in der folgenden Doppelrunde gegen die an Nr. 5 und 6 gesetzten Mitfavoritinnen Fock und Garbuz gleich zwei Niederlagen in Folge. Hier fand Swantje nicht zu ihrem Spiel und nutzte vor allem in der ersten Partie ihre Chancen nicht. Sie wirkte nervös und gehemmt. Auch in der 4. Runde unterlief ihr zunächst ein schwerer positioneller Fehler, der sie die Partie hätte kosten können. Nur durch eine geschickte Überleitung ins Endspiel konnte sie den Nachteil wieder ausgleichen und die Partie noch zum Sieg führen.

Das blieb allerdings Swantjes einziger Sieg. In der folgenden Partie erlag sie früh einer schlichten Fehlberechnung mit Figurenverlust. Trotz der nur kurzen Pause trumpfte sie im nächsten Spiel mit einer hervorragenden Eröffnungsvorbereitung auf, erspielte sich eine drückend überlegene Stellung – und übersah in ihrem konzentrierten Versuch, den Vorteil zu vollstrecken, einen taktischen Konter, der die Partie sofort in eine bittere Niederlage verkehrte.

Auch in der abschließenden Runde nahm Swantje zunächst ihrer Gegnerin den Wind aus den Segeln, verlor dann aber den Faden und fand sich in einem fast aussichtslosen Endspiel mit Turm gegen zwei Leichtfiguren wieder. Hier fand zum Glück die Gegnerin nicht immer den besten Zug, sodass die Partie schließlich in ein Remis mündete.

Insgesamt blieb Swantje bei dem Turnier etwas unter ihren Möglichkeiten. Sie konnte sich zwar um einige Plätze auf Rang 18 in der Endtabelle und sogar um einige DWZ-Pünktchen verbessern, aber es war klar zu sehen, dass sie über die gesamte Woche mit ihrer Nervosität und einem Mangel an Erfahrung bei Turnieren dieser Größenordnung zu kämpfen hatte. Letztlich verhinderten einige leicht vermeidbare Fehler und ausgelassene Chancen ein besseres Abschneiden.

Ela vor dem HotelIn der Woche darauf trat Ela Pröttel in der U12w an. Die 11-jährige Vize-Landesmeisterin zeigte viele gute Ansätze, hielt mit insgesamt vier Remis-Partien auch gegen deutlich stärker eingestufte Spielerinnen sehr gut mit. Elas größtes Manko war sicherlich ihr Zeitmanagement. Oft verbrauchte sie für wenige Züge in der Eröffnung einen Großteil ihrer Bedenkzeit, die ihr dann in den entscheidenden Partiephasen fehlte.

Einen vollen Punkt fuhr Ela gegen die einzige schwächer bewertete Gegnerin ein. Hier zeigte sie im Endspiel die erforderliche Abgeklärtheit, um aus einem minimalen Vorteil einen überzeugenden Sieg zu machen.

Ihre beste Partie spielte Ela vielleicht zum Schluss, ausgerechnet gegen ihre stärkste Gegnerin. Sie teilte nun ihre Bedenkzeit viel besser ein, hielt die Stellung jederzeit zumindest ausgeglichen und erzielte – trotz einer kleinen, zum Glück unbestraft gebliebenen Ungenauigkeit im Endspiel – ein hochverdientes Remis.

In der Abschlusstabelle kletterte Ela einige Plätze gegenüber ihrem Startlistenrang (34) nach oben. Platz 26 mit drei Punkten bei nur zwei Niederlagen und obendrauf ein DWZ-Gewinn von 71 Punkten – das kann sich sehen lassen.

Alles in allem können wir für Swantje und Ela ein positives Fazit des Turniers ziehen. Einmal abgesehen davon, dass allein schon die Teilnahme zweier Nordlerinnen an einer Deutschen Meisterschaft als Erfolg zu werten ist, konnten die Mädchen wertvolle Erfahrungen sammeln und wichtige Erkenntnisse für ihre weitere Entwicklung mit nach Hause nehmen.

Bedanken möchten wir uns für die großzügige Unterstützung durch unseren Verein und durch den Schachbezirk Emscher-Lippe.