Sterkrade-Nord 2.0 oder: Dornröschen erwacht

Montag, 19. August 2019

Was waren das noch für Zeiten, in denen Sterkrade-Nord mit einer einzigen Mannschaft ums sportliche Überleben in der Bezirksklasse kämpfte? Es ist noch gar nicht so lange her, nur wenige Jahre. Viele Spieler erinnern sich und manch anderer Verein wünscht sich die Zeiten womöglich zurück, in denen es so leichtfiel, einen offenbar sterbenden Verein totzuschweigen oder – schlimmer noch – totzureden.

Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen, Jahre harter Arbeit für alle, die dem Verein die Treue hielten. Für uns ging es eben nicht darum, einen eher aussichtslosen Überlebenskampf verzweifelt fortzuführen, sondern mit frischem Mut und neuen Ideen den Verein von Grund auf umzugestalten. Unsere Anstrengung war eine Wette auf die Zukunft, die sich inzwischen bezahlt macht.

Durch intensive Jugendarbeit ist es uns gelungen, den Verein in der Breite zu öffnen, insbesondere für Kinder, die das Schachspiel gerade erst entdecken. Durch langjährige Kooperation mit Schulen fanden Jungen und Mädchen den Weg in den Verein, die sonst vielleicht nie mit Schach in Berührung gekommen wären. Die Besten unter ihnen wurden durch gezieltes Training zu starken Spielern, die längst mit Erwachsenen konkurrieren. Schönstes Beispiel dafür ist der Sieg der 13-jährigen Swantje im Vereinspokal mit einer DWZ-Leistung von ca. 1900.

Im Erwachsenenbereich hatten wir zunächst einmal Glück. Wir fanden Spieler, die ohne jede Erfahrung im Schachverein gleich ihren Platz in der Mannschaft einnahmen. Einer davon – Mark Schocke – ist seit zwei Jahren unser Spielleiter. Im letzten Jahr ließ dann Fortuna ihre Muskeln erst so richtig spielen. Eine ganze Reihe starker Spieler stieß zu uns und brachte gleich einen Plan mit: den Aufstieg in die Verbandsbezirksliga mit Hilfe einer völlig neu geformten 1. Mannschaft. Plötzlich standen uns so bekannte und erfahrene Spieler wie Markus Labuda, Adam Walker und Reinhard Gebauer zur Verfügung, Rückkehrer wie Frank Altenburg, Michael Schmidt und Ulrich Broens, zusammengeführt von Christian Hibbeln, der sich als treibende Kraft unermüdlich um jeden einzelnen Spieler bemühte. Der Lohn ließ nicht lange auf sich warten – der Aufstieg gelang in souveräner Manier.

Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel. Anstatt uns auf den verdienten Lorbeeren auszuruhen, schmiedeten wir weiterhin Pläne, zogen Fäden, pflegten und knüpften Kontakte, allen voran Christian Hibbeln als frisch gebackener Sportdirektor. In einem nicht für möglich gehaltenen Kraftakt bauten wir erneut ein schlagkräftiges Team für die neue Saison auf – zusätzlich zu unserer erfolgreichen Aufstiegsmannschaft. Tag für Tag trudelten die Neuanmeldungen ein, und es ist im Nachhinein gar nicht mehr zu rekonstruieren, wie all die starken Spieler zu unserem Verein fanden: Swen Pröttel, Marcell Aulich, Florian Stricker, Stefan Koch, Markus Berendsen, Dirk Wortmann, Roland Drescher, Markus Schwenke, Stefan Ratzmann, Stefan Horn, Thorsten Kohnert, Horst Bross, Kurt Spoden, Reiner Bonatis, Günter Wachsmuth.

Wir kamen nicht umhin, beim Verband die Meldung einer 2. Mannschaft für die Verbandsbezirksliga zu beantragen, die man uns angesichts der geballten Spielstärke dieser Spielerliste gerne gewährte. Die Meldung einer weiteren Mannschaft in der Kreisklasse machte die Sensation perfekt: Sterkrade-Nord wird in der kommenden Saison erstmals in seiner Geschichte mit vier Manschaften im Ligabetrieb vertreten sein. Aus dem hässlichen Entlein ist in kurzer Zeit ein stolzer Schwan geworden. Oder anders ausgedrückt. Dornröschen ist endlich aus dem Schlaf erwacht. Aber mit Sicherheit ist das noch nicht das Ende des Märchens.