Heißer als die Feuerwehr erlaubt

Sonntag, 20. Oktober 2019

Beim 5:3 der 3. Mannschaft von Sterkrade-Nord in Gladbeck qualmten die Köpfe der Spieler offenbar so stark, dass die Feuerwehr gleich mehrmals anrücken musste. Vielleicht lag es aber auch an einem defekten Rauchmelder, der während des Kampfes mehrmals einen ohrenbetäubenden Fehlalarm auslöste, bevor er aus dem System genommen werden konnte. Beide Mannschaften waren gleichermaßen betroffen und trugen es mit Fassung.

Heiß her ging es trotzdem, insbesondere an Brett 8, wo Peter Segat (Foto) als Ersatzspieler zum Helden des Tages wurde, weil es ihm gelang, eine im Grunde vermasselte Partie noch in einen Sieg umzudrehen. Bereits im 7. Zug verlor er durch eine Unachtsamkeit eine Figur und sah schon wie der sichere Verlierer aus. Aber er kämpfte weiter und kam völlig unerwartet wieder ins Spiel zurück, glich zunächst aus und erreichte tatsächlich ein vorteilhaftes Turmendspiel, welches er geradezu souverän zum letztlich verdienten Sieg führte.

Swantje MinnekenDie erste Entscheidung des Tages hatte es allerdings schon lange vorher an Brett 6 gegeben. Swantje Minneken kam mit Schwarz gut aus der Eröffnung und nutzte nach frühem Damentausch einige Ungenauigkeiten ihres Gegner kaltblütig aus, um mit ihren beiden Türmen in die weiße Stellung einzudringen. Durch einen schönen Doppelangriff mit Mattdrohung gewann sie einen Läufer, baute nach einigen eher planlosen Zügen die Mattdrohung erneut auf und ließ ihren verdutzten Gegner nach nur 40 Minuten Spielzeit nicht mehr entwischen. Dessen despektierliche Schlussbemerkung, Swantje habe mehr Glück als Verstand gehabt, kehren wir als Blackout eines gekränkten Altherren-Egos dezent unter den Teppich und wünschen ihm für seine nächste Partie von beidem ein wenig mehr.

Es dauerte eine Stunde und 20 Minuten, ehe Gladbeck 3 zum 1:1 ausgleichen konnte. Manfred Langer spielte mit Weiß zu passiv, ließ die freie Entfaltung des gegnerischen Figurenspiels zu und musste sich bald trotz des noch gut bevölkerten Brettes den vorrückenden schwarzen Freibauern ergeben. Am Brett nebenan schloss man unmittelbar darauf Frieden. Annika Labuda fand nicht zu ihrem gewohnt schlagkräftigen Kombinationsspiel, sondern lavierte mit Dame, Turm und Springer auf zu engem Raum, was ihrem Gegner die Chance gab, durch einen einfachen Bauernvorstoß den Springer für zwei Bauern zu erobern. Anscheinend hatte die 12-jährige Annika ihrem Gegner jedoch genügend Respekt eingeflößt, um die Aussicht auf ein schnelles Remis dem Gewinnversuch vorzuziehen.

Damit stand es nach zwei Stunden 1,5:1,5. Der ausgeglichene Spielstand spiegelte durchaus die Realität des Mannschaftskampfes wider, da es an den meisten Brettern keineswegs nach schnellen Siegen aussah. Teamkapitän Mark Schocke erspielte sich am 1. Brett mit feinem positionellen Gespür eine aktive Stellung auf dem Weg ins Endspiel. Eine kurzzeitige Überlastung der gegnerischen Figuren konnte er zu einem Bauerngewinn nutzen, den der Gegner etwas überraschend mit der umgehenden Aufgabe der Partie quittierte. Zusammen mit Peters herbeigezaubertem Punkt an Brett 8 führte Sterkrade-Nord plötzlich 3,5:1,5. Die Gladbecker standen bei drei noch laufenden Partien mit dem Rücken zur Wand.

Seltsamerweise bekommt Sharlena Brock mit Schwarz neuerdings ständig das Königsgambit vorgesetzt. Die Renaissance einer widerlegten Eröffnung? Anders als in der 1. Runde kam Sharlena diesmal gut damit zurecht, ließ sich überhaupt nicht beirren und erspielte sich eine aktive Stellung. Mit allen verfügbaren Figuren griff sie nun die wackelige Stellung des weißen Königs an, der das drohende Matt nur durch die Preisgabe seiner Dame abwenden konnte. Als dann noch ein weiterer Turm zu fallen drohte und die Stellung beim besten Willen nicht mehr zu halten war, schmiss der Gegner das Handtuch. Beim Stand von 4,5:1,5 war der Kampf bereits zu unseren Gunsten entschieden.

Während Sharlena noch Gratulationen entgegennahm, stolperte Herbert Bobovnik in eine Art Selbstmatt auf der gegnerischen Grundreihe – und das nach einer wirklich gut gespielten Partie. Unser gerade erst von einem Schlaganfall genesener Nestor behielt jederzeit den Überblick in einem offenen, taktisch geprägten Spiel, das in ein vermutlich ausgeglichenes Endspiel mündete. Die Art und Weise, wie Herbert mit seinem König in die gegnerische Hälfte eindrang, war schon erstaunlich. Dass er dann seinen Springer opferte, in der Hoffnung, einen vorgerückten Freibauern gegen den Widerstand von Turm und Springer des Gegners zur Umwandlung zu führen, war verwegen, vielleicht aber auch zu optimistisch. Noch während er seinen Bauern auf die 7. Reihe zog, bemerkte er, dass seinem bis auf die 8. Reihe vorgedrungenen König keine Fluchtfelder mehr blieben, und so war das fogende Turmschach zugleich Matt und das traurige Ende der Partie.

Die Niederlage änderte nichts an der uneinholbaren Führung. Deshalb einigte sich auch Hartmut Geisel mit seinem Gegner auf Remis zum 5:3- Endstand für Sterkrade-Nord. Mit dem dritten Sieg im dritten Spiel festigten die Nordler ihre Tabellenführung in der Kreisliga – doch die Saison ist noch lang. Die Reifeprüfung folgt mit dem Lokalderby gegen die 5. Mannschaft des OSV 1887 am 17. November in Schmachtendorf. Wir dürfen einen spannenden Kampf erwarten.

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