Auftaktfeuerwerk in Bottrop

Sonntag, 1. September 2019

Es ist nie ganz leicht, nach einem überragenden Erfolg die richtige Balance zwischen Euphorie und Bescheidenheit zu finden. Deshalb gleich zu Beginn die Bemerkung, dass das Ergebnis nicht ganz den Verlauf des Kampfes widerspiegelt.

Dass das Match gegen Bottrop 4 am 1. Spieltag der Kreisligasaison 2019/20 am Ende 8:0 für die 3. Mannschaft von Sterkrade-Nord ausging, lag nach den Verhältnissen auf dem Papier zwar durchaus im Bereich des Möglichen, wurde im Vorfeld auch scherzhaft angedacht, sagt aber nichts über die Qualitäten der Gegner an diesem Tag aus. Immerhin trat Bottrop mit vier Jugendspielern an, und gerade die waren es, die unseren Spielern das Siegen schwer machten. Respekt also für diese Leistung. Dass es für Bottrop dennoch an keinem Brett zu einem Pünktchen reichte, lag letztlich an der größeren Spielerfahrung unsererseits.

Peter SegatDen Auftakt machte Peter Segat im Duell der beiden Ersatzspieler am 8. Brett. Hier glänzte das Spiel nicht durch Genauigkeit, deshalb stellte sich schon bald die Frage, wer die Fehler seines Gegners nachhaltiger auszunutzen weiß. Zwar büßte Peter durch einen schwungvollen Angriff seines Gegenübers zunächst eine Qualität ein, doch durch eine taktische Riposte gelang es ihm quasi im Gegenzug, dessen Dame zu gewinnen. Damit brachte Peter sein Team nach nur 40 Minuten mit 1:0 in Führung.

Nicht viel später trug sich auch Annika Labuda (Miss 100%) in die Siegerliste ein. Die Topscorerin des Vorjahres ließ auch diesmal nichts anbrennen, fand schnell zu ihrem gewohnt druckvollen Spiel und ließ ihrem Gegner nach diversen Materialverlusten keine andere Wahl, als die Partie rechtzeitig aufzugeben.

Etwas schwieriger war es für Herbert Bobovnik an Brett 5. Dessen Gegner brachte das Kunststück fertig, nach zwölf Zügen noch immer 7 Figuren in ihrer Ausgangsstellung auf der Grundreihe zu halten. Anstelle der Figurenentwicklung suchte er sein Heil in einer defensiven Bauernblockade. Herbert ließ sich nicht zweimal bitten, brach die Bauernreihe nach und nach auf, drang mit Dame und Springer in die gegnerische Hälfte ein und manövrierte so geschickt, dass ihm der Gewinn der gegnerischen Dame und zugleich der Partie gelang. Stark gespielt, alter Haudegen!

Manfred Langers Gegner spielte durchaus nicht passiv, verlor allerdings in der Spanischen Eröffnung ein wenig den Überblick und ließ zu, dass seine Rochadestellung durch die klassische Kombination aus Fesselung des Springers auf f6 und zweiten Angriff über d5 geöffnet wurde. Ehe er sich versah, hatte er die weiße Dame mit Springerunterstützung vor der Nase – was nicht selten schon ausreicht, um einen König in die Zange zu nehmen. Manfred hätte durch eine schöne Kombination den schwarzen König aus der Stellung zwingen und auf der 4. Reihe mattsetzen können, doch sein Gegner machte ihm einen Strich durch die Rechnung und übersah bereits ein einzügig drohendes Matt. Trotzdem ein schöner Start-Ziel-Sieg zum 4:0-Zwischenstand für Sterkrade-Nord.

Mutiges Angriffsspiel zeigte auch Hartmut Geisel am 7. Brett. Ohne Rücksicht auf die Blöße seines eigenen Königs warf er Bauern und Figuren nach vorn. Mit dieser offensiven Partieanlage kommt er oft in Vorteil, versäumt es aber manchmal, diesen auch in einen Sieg umzumünzen. Diesmal jedoch nicht. Hartmuts Gegner entwickelte zu wenig Gegenspiel und konnte dem Druck schließlich nicht mehr standhalten. Der Mannschaftssieg war bereits unter Dach und Fach.

Weiß verliert im nächsten ZugDie verbleibenden drei Partien waren keineswegs so klar. Sharlena Brock am 2. Brett mit Schwarz wurde mit dem Königsgambit auf dem völlig falschen Fuß erwischt und kam schlecht aus der Eröffnung, mit großen Schwierigkeiten bei der Figurenentwicklung. Ihr jugendlicher Gegner machte zunächst vieles richtig, hielt den Druck aufrecht, gab dann zwischenzeitlich aber die Initiative aus der Hand. Da Sharlena noch immer damit beschäftigt war, ihre Stellung zu konsolidieren, gelang es ihr nicht wirklich, das Ruder herumzureißen. Stattdessen konnte ihr Gegenspieler seine bessere Stellung festigen. Hier war für Schwarz nicht einmal ansatzweise ein Sieg in Sicht – bis zum 29. Zug, als Weiß ohne jede Not ein taktisches Missgeschick unterlief, welches umgehend die Dame kostete. Manchmal hilft eben auch das Glück ein wenig nach.

So auch an Brett 6. Swantje Minneken konnte mit Schwarz in der Caro-Kann-Verteidigung keinen Vorteil herausspielen, im Gegenteil, ihr junger Gegner, der bisher noch keine Wertungspartie zu Buche stehen hat, spielte nahezu fehlerfrei und sogar gefährlich, übersah lediglich die Chance, durch ein taktisches Manöver in Vorteil zu kommen. Schließlich fanden sich die beiden in einem reinen Bauernendspiel wieder. Und auch hier blieb das Glück auf Sterkrader Seite. Mit etwas mehr Erfahrung hätte Swantjes Gegner das Endspiel zumindest leicht unentschieden gehalten. Als gegen Ende ein Randbauer für Schwarz übrigblieb, hätte Weiß dessen Umwandlung mit dem hinlänglich bekannten Manöver, den gegnerischen König vor dem Bauern am Rand einzusperren, verhindern können – aber man muss es eben kennen. Da sieht man mal wieder, dass ein intensives Endspielstudium der Königsweg zum schachlichen Glück ist.

Die 7:0-Führung hätte Mannschaftsführer Mark Schocke an Brett 1 einen ordentlichen Rückenwind verschaffen können, doch er tat sich einigermaßen schwer. Obwohl er seinen Gegner, den Kreisliga-Topscorer der Saison 2017/18, mit der schottischen Eröffnung überrascht zu haben schien, konnte er dadurch zunächst keinen verwertbaren Vorteil erlangen. Das Spiel entwickelte sich zäh mit geballten Figurenansammlungen auf dem Brett, aber immerhin mit leichter Initiative für Mark. In dieser schwer zu durchschauenden Stellung unterlief seinem Gegner eine taktische Unachtsamkeit, die auch in diesem Fall sofort zur Höchststrafe – dem Damenverlust – führte. 

Nach drei Stunden Spielzeit stand damit das Endergebnis von 8:0 für die Nordler fest. Ein Sieg, der auch ein wenig milder hätte ausfallen können, aber unterm Strich deutlich und verdient die geschlossene Überlegenheit unserer 3. Mannschaft dokumentiert. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass Bottrop auch nominell nicht zu den stärksten Konkurrenten zählt. Die kommen erst noch im Lauf der Saison. Dann wird sich die Mannschaft um Mark Schocke beweisen müssen.