Tag 5 in Kranenburg: Heitere Aussichten zum Wochenende

Freitag, 6. April 2018

Während unsere Mädchen in der U12w und U14w ein wenig Image-Kosmetik betreiben, scheint in der Offenen U20 das gefährliche Remis-Fieber sein Unwesen zu treiben. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal erwischte der Trainer die Mädchen beim Frühstück-Schwänzen. Frische Brötchen sind ja immer so furchtbar hart, und Marmelade ist so schrecklich süß. Und außerdem ist 8.00 Uhr viel zu früh fürs Frühstück. Wenn es nichts zu jammern gibt, denkt man sich halt was aus. Aber gut, dann lassen wir die beste Mahlzeit des Tages eben ausfallen.

WegweiserGina klagte vor der heutigen Partie über Unwohlsein. Vielleicht vor Hunger? Egal, sie schleppte sich zur Partie und spielte dann leider so, wie sie sich fühlte. Früh schon verschwanden alle Leichtfiguren vom Brett, und etwa ab diesem Moment sah Gina sich mit einer direkten Mattdrohung konfrontiert, die sie durch eine Reihe von Gegenschachs abzuwehren versuchte – was ihr nicht gelang. So folgte dem gestrigen Sieg leider eine erneute Niederlage.

Swantje versteht es momentan ausgezeichnet, sich bereits in der Eröffnung in Schwierigkeiten zu bringen. Auch heute machte sie keine Ausnahme. Durch einen verfrühten Bauernvorstoß ("Ich mag den.") schwächte sie ihren Damenflügel empfindlich. Die Gegnerin ließ sich nicht zweimal bitten, zerpflückte mit ihren Leichtfiguren in wenigen Zügen Swantjes Stellung und lag wie aus dem Nichts mit einem Turm und drei Freibauern vorn. In einer solchen Situation kann Starrsinn wiederum sehr nützlich sein. Statt aufzugeben, spielte Swantje weiter und warf dem gegnerischen König mit ihrer Dame und zwei Springern böse Blicke zu. Das muss Swantjes Gegnerin so sehr verschreckt haben, dass diese ihr durch einen unbedachten Bauernzug eine Damengabel mit Turmgewinn ermöglichte. Den nun schutzlosen König ließ Swantje nicht mehr aus dem schön gestrickten Mattnetz entkommen, welches die gegnerischen Figuren und Freibauern bloß noch aus der Ferne bestaunen konnten.

Annika macht es neuerdings doch gerne spannend. Zunächst kam sie nicht übermäßig gut ins Spiel, verlor einen Bauern und setzte ihren Turm einer möglichen Gefangennahme aus. Doch ihre Gegnerin ließ den Turm ziehen und stellte lieber durch einen Spieß einen eigenen Turm ein, allerdings mit Kompensation durch das Läuferpaar und einen Mehrbauern. In dieser Spielphase setze Annika nicht gut fort und ermöglichte ihrer Gegnerin abermals, einen Turm zu fangen. Die tat es diesmal auch, sperrte den Turm unrettbar ein, doch auf dem Weg zur Vollstreckung ließ sie den Turm durch einen Tausch entkommen. Glück gehabt, Annika! Danach brachte ihre Gegnerin keinen guten Zug mehr zustande, Annika fand zu ihrer gewohnten Sicherheit zurück und zwang ihre Gegnerin schließlich zur Aufgabe.

RemisAufgeben möchte man manchmal auch das Traineramt – wenn man sich nämlich den Mund fusselig redet, ohne etwas zu bewirken. Zunächst hielt ich es für einen Ausrutscher, dann für eine Strategie, aber jetzt bin ich sicher: es muss eine Art Virus sein. Joris spielte das vierte Remis in Folge, heute zwar ausnahmsweise nicht in vorteilhafter Stellung, aber doch wieder zu einem Zeitpunkt, wo die Partie eigentlich erst richtig anfängt. Woran kann es liegen: Angst vor der Niederlage? Bequemlichkeit? Probleme bei der Planfindung? Bestechung? Wir werden Ursachenforschung betreiben. Oder einen Psychologen hinzuziehen. Oder die Sportart wechseln.

Morgen steht die letzte Runde an. Gina hat spielfrei und bekommt so ihren zweiten Punkt geschenkt. Swantje und Annika können noch einmal versuchen, ihre Platzierungen zu verbessern, wobei Annika allerdings die derzeit Zweitplatzierte bezwingen müsste. Und Joris darf gegen einen Gegner seiner Gewichtklasse beweisen, dass er doch noch gewinnen kann.

Als Abend-Vergnügung steht übrigens Chess Total auf dem Plan, eine Mischung aus Tandem-, Räuberschach und Chess 960. Gespielt wird mit Vierer-Teams. Das wird sicherlich eine Mordsgaudi.